Vereinschronik
Im Jahre 1951 trafen sich im Gasthaus zum Löwen 5 Personen, um, wie es sich gehört für ein so lustiges Dorf, eine Fastnachtsgesellschaft zu gründen. Es waren die vier geschätzten Bürger Karl Eiser, Erich Knopf, Karl Schenk und Anton Weiler, sowie die ehrbare Bürgerin Hilda Schmitt. Sie waren die Initiatoren der erlauchten Gemeinschaft. Ihre erste Aufgabe war es einen Elferrat auf die Beine zu stellen und es war nicht sonderlich schwer, einige galante Mannsbilder auf die Bretter zu holen.
Es waren,dies Johannes Brecht, Franz Brecht, Georg Böser, Alfred Breining, Gustaf Harlacher, Heinz Heimerzheim, Franz Jerabek, Julius Küstner und Hans Thome. Sie hatten sich zunächst als Elferratsgebilde etabliert.
Und weil es sich so gehörte kürten sie mit Anton Weiler und Hilda Schmitt ihr erstes Prinzenpaar.
Mit dieser Maßnahme setzten sie einen karnevalistischen Markstein im
vorderen Kraichgau. Ihre Lieblichkeit Hilda die Erste war die erste
Prinzessin im Landkreis Bruchsal.
Diese bahnbrechende Tat ließ die
Ubstadter Elfer-Esel im Handumdrehen mit Bravour in die
Hochburgen der inländischen Fastnacht aufrücken. Das Echo war kaum im Lande
draußen verhallt, da erhielten die Abgeordneten des Prinzen Karneval
mit Argin Nagel einen weiteren Kollegen mit Format.
Zu den Männern der ersten Stunde gehörten auch Otto Appel, Walter
Dewald, Roland Nagel, Paul Rath, Ernst Schmitt, Ambros Schmitt, Karl
Serden und Heinrich Weiler.
Die erste Prunksitzung ging im Löwenpalast über die Bühne. Die Veranstaltung war ein überwältigender Erfolg.
Das reichhaltige Programm, bereichert durch die Philippsburger Narrenzunft, fand den ungeteilten Beifall des vollen Hauses.
Prinz Anton der 1. und Prinzessin Hilda die 1. die sich Tage zuvor in Philippsburg zur Huldigung der Öffentlichkeit stellten, eroberten sich im Sturm die Herzen der närrischen Bruhrainanwohner. Am Fastnachtdienstag zeigte sich die närrische Gesellschaft dann erstmals vereint unter der Narrenkappe beim 1. Zug der Gaudi. Sie stellten ein zünftiges und tolles Geschehen auf die Straße dieser unvergleichlichen Naturbühne. Der Zug der Gaudi war geboren.
Die junge Idee gedieh prächtig. Die Reifezeit des Elferrats war von
Erfolg gekrönt, auch heute noch verläuft sein Wachstum in einer
Aufwärtskurve.
Seine Arbeit und sein Wirken findet den Beifall
aller Bewohner, zumindest jener Bürger, die den Ernst des Lebens mit
der Brille des Humors aufspüren.
Noch viermal wurde in der Folgezeit ein Prinzenpaar ausgerufen. Es teilten sich in Ehre:
1953 Argin Nagel und Elisabeth Küstner
1954 Erich Knopf und Ella Kratz
1955 Paul Rath und Rose Nagel
1956 Ambros Schmitt und Gertrud Brecht.
Der Elferrat hatte von 1952 bis 1956 auch eine Prinzengarde aufgestellt.
Die hübschen Mädchen wurden von der Kommandeuse Hildegard Kratz befehligt.
In das Gewand des Eulenspiegels , der die Narrhalesen bei den
mehrfachen Prunksitzungen im „ Löwen-Palast“ in Ubstadt ermunterte und
in den Spiegel dämonischer Götter- und Geistermagie blicken ließ,
schlüpfte der Elfer Walter Dewald.
Da es an geeigneten Räumlichkeiten mangelte war der Elferrat gezwungen seine Prunksitzung mit der Kampagne 1956 einzustellen.
Das hatte zur Folge , dass auch die Prinzenwahl fortan unterblieb.
Bis heute wurde kein neues Herrscherpaar inthronisiert.
Um so erfreulicher war es, dass sich der „ Zug der Gaudi “ immer besser entwickelte.
Als 1966 erstmals in der benachbarten ehemaligen fürstbischöflichen
Residenz am Fastnachtssonntag der „Bruchsaler Fastnachtsumzug“
gestartet wurde, beteiligte sich der Elferrat in freundschaftlicher
Verbundenheit mit seinem Prunkwagen bei dieser närrischen Schau.
Der Elferrat ließ es sich zur Ehre sein, bis heute jeden Termin in Bruchsal wahrzunehmen.
Nach der Kampagne 1967 zog sich Präsident Argin Nagel zum Bedauern
seiner vielen Freunde gesundheitshalber aus dem aktiven Geschehen
zurück.
Die Elfer wählten Karl Serden zu seinem Nachfolger.
Um die Arbeit in der Öffentlichkeit besser zu präsentieren, benannte
sich der Elferrat im Frühsommer 1967 „Fastnachtsgesellschaft 1951
Ubstadt“ um. Die Überlegung auch in der Bezeichnung der Gesellschaft
auf die Pflege von uraltem Brauchtum hinzuweisen, begründete diesen
Schritt.
Ein Ubstadter Lehrer fragte mal einen Schüler, welches die drei höchsten Feiertage im Jahr sind und der Schüler gab zur Antwort: Kerwe, un wenn ma schlachte, un de Fasnachtdienstag.
Nach einigen Jahren des Wartens hatte sich endlich über Nacht eine große Gaudihalle in Fertigbauweise aufgerichtet.
Und siehe da, schon präsentierte sich die erste Prunksitzung in dieser schmucken Räumlichkeit.
Unter dem damaligen Präsidenten Karl Serden, dem Zeremonienmeister
Walter Dewald und einem eigenen Ballett zog die Narrenschar zum
22-jährigen Jubiläum des Vereins 1973 auf die Bühne der Mehrzweckhalle
und spulte ein Programm ab, als hätte es überhaupt keine Pause gegeben.
Neben einigen Gründungsmitgliedern wie Karl Eiser und Hilda Schmitt
waren auch einige Nachwuchstalente am Werk, die sich in den nächsten
Jahren zu wahren Büttenkanonen entwickelten.
Ein weiteres großes Ereignis kam auf die Bevölkerung in Ubstadt zu.
Unser Bürgermeister Helmut Kritzer war der Initiator und Wegbereiter der Rathausstürmung.
Am Rosenmontag um 11 Uhr 11 ist ein Großteil unserer Gesamtgemeinde auf
den Beinen, um bei diesem närrischen Treiben dabei zu sein.
Auch die Dekoration der Straßen beim „Zug der Gaudi“ ist hauptsächlich ein Verdienst unseres Bürgermeisters.
In der laufenden Kampagne wird der Zug zum 56. mal aufleben und durch
seine Originalität das kleine und große Narrenvolk erfreuen.
Bei
der Kampagneeröffnung 1989/90 wurde unser langjähriger Präsident Karl
Serden gleich mit zwei Ehrungen besonderer Art bedacht. Bürgermeister
Kritzer überbrachte die Landesehrennadel, die Gesellschaft ernannte
ihn zum Ehrenpräsidenten.
Seit 1951 gehörte er der Gesellschaft an und wirkte fast vier Jahrzehnte. Von 1967 bis zum Frühjahr 1989 war er Präsident. "Er hat in dieser Zeit", so Kritzer, "als großartiger Dirigent in einem sehr guten Orchester viel Arbeit und Kraft eingebracht". Karl Serden hat sich überdies für die Heimatgeschichte eingesetzt. Aus seiner Feder stammen viele interessante heimatgeschichtliche Beiträge und ganz besonders die Ortschronik „Ubstadt-Heimat an der Kraich“.
Nach einer überaus erfolgreichen Kampagne wählte die
Generalversammlung der Fastnachtsgesellschaft Elferrat 1992 ein neues
Präsidium.
Norbert Eiser seit 1989 Präsident der Gesellschaft trat aus
gesundheitlichen Gründen ab. Ihm folgte sein bisheriger Vize Helmut
Konrad im Amt des Fastnachtspräsidenten nach. Vize Präsident wurde
Helmut Dusek. Ende 1994 fiel eine wichtige Entscheidung in der neueren
Vereinsgeschichte. Die Gemeinde stellte uns Gelände zur Verfügung und
wir bauten ein Vereinsheim. Dies war eine echte Herausforderung für
uns. Dass wir diese Aufgabe mit Bravour lösten, bestätigten uns alle
Experten beim Tag der offenen Tür am 11. und 12. April 1997.
Nach Fertigstellung des Vereinsheimes bat Präsident Helmut Konrad
(1989-1992 Vize, 1992-1997 Präsident und seit 1992 bis heute
Sitzungspräsident) um eine kleine Verschnaufpause.
Vizepräsident Helmut Dusek übernahm das Amt des Präsidenten und Werner
Weindel wurde für zwei Jahre zum Vizepräsidenten gewählt. 1999 war
Helmut Konrad wieder bereit, das Amt, aber nur als Vizepräsident zu
übernehmen.
So führte das Duo Helmut und Helmut bereits 12 Jahre gemeinsam mit
ihren fleißigen Mitstreitern den Verein. In den letzten Jahren ist ein
Team aus jungen Fasenachtern und Aktiven entstanden, das es immer wieder
versteht, bei den Prunksitzungen durch ein bunt gemischtes Programm die
Gäste zu begeistern.
Ein Highlight in der Kampagne ist natürlich
auch am Fasnachtsdienstag der „Zug der Gaudi“. Er ist nicht nur einer
der traditionsreichsten Faschingsumzüge im Kraichgau, sondern auch einer
der ideenreichsten und schwungvollsten.
"Wenn er sich durch die bunt dekorierten Strassen schlängelt, stimmt
alles",schreibt die „Badische Neuesten Nachrichten“. Verantwortlich für
dieses närrische Treiben ist Zugmarschall Rüdiger Nau und sein Team.
Die Mitgliederzahl hat sich in den letzten 12 Jahren verdoppelt auf 332
und die Anzahl der aktiven Jugendlichen ist auf über 50 angestiegen.
Der Elferrat wird auch künftig dafür eintreten, dass es im Bereich von
Ubstadt-Weiher, Diesseits und Jenseits der Kraich, die frohe Laune als
erstrebenswerter Wunsch erhalten und bestehen bleibt.


